Hexenschuss: Was jetzt guttut und wann Sie zum Arzt sollten
Plötzlich schießt der Schmerz in den unteren Rücken: Was bei einem Hexenschuss im Alltag hilft, warum Bewegung meist besser ist als Bettruhe und welche Warnzeichen Sie kennen sollten.
Ein Bücken nach der Wäsche, eine kleine Drehung beim Aussteigen aus dem Auto – und plötzlich schießt ein stechender Schmerz in den unteren Rücken. Aufrichten? Kaum möglich. Ein Hexenschuss, medizinisch oft als akuter Kreuzschmerz oder Lumbago bezeichnet, kommt meist ohne Vorwarnung und ist ausgesprochen unangenehm. Die beruhigende Nachricht vorweg: In vielen Fällen bessern sich die Beschwerden innerhalb einiger Tage bis weniger Wochen deutlich.
Was passiert bei einem Hexenschuss?
Meist steckt keine ernsthafte Schädigung dahinter, sondern eine schmerzhafte Reizung im Bereich der Lendenwirbelsäule mit einer starken Verspannung der umliegenden Muskulatur. Die Muskeln „machen dicht“, um den Bereich zu schützen – das erklärt die typische Schonhaltung. Ob im Einzelfall etwas anderes dahintersteckt, kann nur eine ärztliche Untersuchung klären.
Was in den ersten Tagen guttun kann
In Bewegung bleiben
Lange galt Bettruhe als Mittel der Wahl. Heute weiß man: Bleiben Sie, so gut es geht, in Bewegung. Kurze Spaziergänge in der Wohnung oder an der frischen Luft, normale Alltagstätigkeiten im erträglichen Rahmen – das ist für den Rücken meist besser als stundenlanges Liegen.
Entlastende Positionen
Wenn Sie sich hinlegen möchten, empfinden viele die Stufenlagerung als angenehm: Auf dem Rücken liegen, die Unterschenkel auf einem Stuhl oder mehreren Kissen hochgelagert, sodass Hüfte und Knie etwa im rechten Winkel gebeugt sind. Auch die Seitenlage mit einem Kissen zwischen den Knien kann entlasten.
Wärme
Ein Kirschkernkissen, eine Wärmflasche oder eine warme Dusche werden bei verspannter Rückenmuskulatur häufig als wohltuend empfunden. Mehr dazu in unserem Beitrag Wärme oder Kälte?.
Rückenschonend aufstehen
Aus dem Bett kommen Sie am besten „en bloc“: Drehen Sie sich zuerst auf die Seite, schieben Sie die Beine über die Bettkante und drücken Sie sich mit den Armen hoch – so muss der Rücken nicht verdrehen.
Was Sie vermeiden sollten
- Schweres Heben und ruckartige Drehbewegungen in den ersten Tagen
- Lange Bettruhe, weil sie die Muskulatur zusätzlich steif machen kann
- Angst vor jeder Bewegung: Ein gewisser Schmerz bei Bewegung ist bei einem Hexenschuss normal und bedeutet nicht automatisch, dass etwas kaputtgeht
Warnzeichen: Dann sofort ärztliche Hilfe holen
Suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe oder die Notaufnahme auf, wenn zu den Rückenschmerzen eines der folgenden Zeichen hinzukommt:
- Taubheit im Genital- oder Gesäßbereich („Reithosenbereich“)
- Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang
- Lähmungserscheinungen oder zunehmende Schwäche in einem Bein
- Fieber, ein Unfall oder Sturz als Auslöser
- starke Schmerzen, die sich auch in Ruhe und nachts nicht bessern
Lassen Sie die Beschwerden außerdem ärztlich abklären, wenn sie ins Bein ausstrahlen, nach einigen Tagen nicht besser werden oder immer wiederkehren.
Und danach?
Ist der akute Schmerz abgeklungen, lohnt sich ein Blick nach vorn: Eine kräftige Rumpfmuskulatur, regelmäßige Bewegung und ein rückenfreundlicher Alltag können helfen, dem nächsten Hexenschuss vorzubeugen. Tipps für Schreibtisch und Alltag finden Sie in unserem Beitrag Rückenschmerzen im Büro.
Verordnet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Physiotherapie, unterstützen wir Sie mit Krankengymnastik und passenden Übungen für zu Hause. Mehr zu unserem Vorgehen lesen Sie auf der Seite Physiotherapie bei Rückenschmerzen. Termin anfragen
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Beratung.