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Pacing bei Long COVID und ME/CFS: Mit der eigenen Energie haushalten

Erschöpfung, die nicht vergeht, und Zusammenbrüche nach Belastung: Was Pacing bedeutet, wie ein Energietagebuch hilft und wie Physiotherapie bei Long COVID und ME/CFS vorsichtig unterstützen kann.

„Ich war doch früher so belastbar.“ Diesen Satz hören wir oft von Menschen, die nach einer Corona-Infektion nicht mehr richtig auf die Beine kommen. Manche fühlen sich an guten Tagen fast normal – und liegen nach einem Einkauf oder einem Treffen mit Freunden für Tage flach. Für diese Situation gibt es ein wichtiges Werkzeug: Pacing.

Was ist die Belastungsintoleranz?

Viele Betroffene mit Long COVID und insbesondere mit ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom) erleben eine sogenannte Post-Exertionelle Malaise (PEM): Nach körperlicher, geistiger oder auch emotionaler Anstrengung verschlechtern sich die Beschwerden deutlich – oft zeitversetzt, nach Stunden oder erst am nächsten Tag, und mitunter über Tage oder Wochen.

Das ist wichtig zu verstehen, denn es bedeutet: Das klassische Motto „Durchhalten und Belastung steigern“ ist hier nicht der richtige Weg. Training nach starrem Plan kann die Beschwerden verschlimmern.

Was bedeutet Pacing?

Pacing heißt sinngemäß „das eigene Tempo finden“. Ziel ist es, die verfügbare Energie so einzuteilen, dass Sie unterhalb Ihrer persönlichen Belastungsgrenze bleiben – und Abstürze möglichst vermeiden. Man spricht auch vom „Energiehaushalt“ oder dem „Energiebudget“.

Die Grundprinzipien

  • Grenzen erkennen: Welche Tätigkeiten kosten wie viel Kraft? Auch Duschen, Telefonieren oder Lesen zählen.
  • Aufteilen statt durchziehen: Große Aufgaben in kleine Portionen teilen und Pausen einplanen – bevor die Erschöpfung kommt.
  • Prioritäten setzen: Was ist heute wirklich wichtig? Was kann warten oder abgegeben werden?
  • Gute Tage nicht ausreizen: Gerade an guten Tagen ist die Versuchung groß, alles nachzuholen. Hier lohnt es sich, bewusst zu bremsen.

Hilfsmittel: Energietagebuch

Ein einfaches Tagebuch hilft, Muster zu erkennen. Notieren Sie über einige Wochen:

  • Was haben Sie wann gemacht?
  • Wie haben Sie sich währenddessen und danach gefühlt?
  • Wann traten Verschlechterungen auf – und was war ein bis zwei Tage vorher?

Manche Betroffene nutzen zusätzlich die Herzfrequenz als Orientierung, etwa mit einer Smartwatch. Ob und wie das für Sie sinnvoll ist, besprechen Sie am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Wie Physiotherapie unterstützen kann

Physiotherapie bei Long COVID und ME/CFS ist vor allem behutsam und individuell. Statt starrer Trainingspläne geht es darum, gemeinsam die persönliche Belastungsgrenze zu respektieren. Mögliche Inhalte sind:

  • Beratung zum Pacing und zur Alltagsgestaltung
  • Atemtherapie und Entspannungstechniken
  • sanfte Übungen im Liegen oder Sitzen, angepasst an die Tagesform
  • Lagerung und Techniken, die als entlastend empfunden werden

Wichtig ist uns dabei eine offene Rückmeldung: Wenn Sie sich nach einer Behandlung schlechter fühlen, passen wir das Vorgehen an. Gerade bei schwerer Erkrankung können auch Hausbesuche sinnvoll sein.

Mehr zu unserem Vorgehen lesen Sie auf unserer Seite Physiotherapie bei Long COVID und ME/CFS.

Ärztliche Begleitung ist wichtig

Long COVID und ME/CFS sollten ärztlich diagnostiziert und begleitet werden, weil sich die Beschwerden mit anderen Erkrankungen überschneiden können. Physiotherapie ist ein Baustein – sie ersetzt keine ärztliche Behandlung.

Mit einer Verordnung können Sie bei uns einen Termin online anfragen oder uns unter +49 7131 2756500 anrufen.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.